Pressespiegel zum Bildungspodium

Was die „Allgemeine Zeitung“ zum Bildungspodium I auf dem OPEN OHR brachte, kann man kaum einen Bericht nennen! Am Samstagabend erschien online ein Artikel, in dem zwar die Podiumsteilnehmer in Form einer Aufzählung (und auch der Moderator) genannt wurden, allerdings nicht der Vertreter des Mainzer NachDenkSeiten-Gesprächskreises! Noch schlimmer wurde es aber am Dienstag, als in der ersten Printausgabe nach Pfingsten das gesamte OPEN OHR zusammenfassende Artikel erschienen, in denen selbst die zuvor online gebrachten Inhalte noch weiter eingedampft worden waren. Nur noch ein Podiumsteilnehmer schaffte den Sprung in die gedruckte Zeitung, und zu allem Überfluss wurde auch noch das Publikum instrumentalisiert! Detailkritik im Anschluss an die Artikel.

Mainz

Generation „Yeah“ beim Open Ohr an der Mainzer Zitadelle in Hochform

23.05.2010 – MAINZ

Von Maike Hessedenz

Die Generation „Yeah“ in Hochform: Live-Musik, Politikschelte, Tanzsessions, Zeltkultur und Pfingstsonne – seit Freitagabend ist die Zitadelle fest in der Hand der Open-Ohr-Generation. Mit Mono Nikitaman, Kabarett, vor allem aber inhaltsreichen Diskussionen um Bildung, Wirtschaftskrise, Sozialstaat und Szenenkult ist das 36. Festival unter dem Motto „Ja Nein Vielleicht – Hauptsache Yeah!“ in die erste Runde gestartet.

„Die Jugend redet mit“, in dieser Erkenntnis sah sich unter anderem der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) bestätigt, der beim großen „Opel-Podium“ auch Gegenwind von den jungen Gästen aushalten musste: „Es ist erwiesen, dass es billiger ist, einen Menschen im öffentlichen Dienst fest anzustellen, als einen Ein-Euro-Job zu finanzieren“, so ein Sprecher der Frankfurter Montagsdemo; ein anderer Besucher forderte die Abschaffung der Leiharbeit – und erntete aus den Reihen der Podiumsteilnehmer Zustimmung: „Leiharbeit muss abgeschafft werden“, so Alfred Klingel, Betriebsratschef bei Opel in Kaiserslautern, „oft sei dies bislang allerdings die einzige Möglichkeit, junge Leute zu beschäftigen. „Leiharbeit kann okay sein, ist aber missbraucht worden, um die Löhne in den Betrieben herabzusetzen“, stimmte auch Hering den jungen Leuten zu.

„Mehr Geld in die Hand nehmen“

Zudem plädierte er für eine „lebensphasenorientierte Arbeitszeit“ statt des festgeschriebenen Rentenalters. Gute Ausbildung und Fachkräfte forderte ebenso Dr. Thomas Schäfer (CDU), hessischer Finanzstaatssekretär, dennoch: „Wir investieren in Bildung, leben aber derzeit dramatisch über unsere Verhältnisse. Wir kommen unseren Zielen nicht so schnell nach, wie wir uns vorgenommen haben“, sagte er – und bekam auch von Hering Kontra: „Es ist ein Skandal, die Steuern für Hoteliers zu senken und zu sagen, wir haben kein Geld für Bildung“.

Um Bildung gings auch beim Bildungspodium „Nicht fürs Leben, für die Wirtschaft lernen wir“. Der Bologna-Prozess, die hohe Belastung durch die neue Studienstruktur, darüber diskutierte Journalist Karl Schlieker mit dem Mainzer Uniprofessor Dr. Franz Hamburger, Landtagsabgeordnetem Gerd Schreiner und dem Mainzer Asta-Vorsitzenden Manuel Lautenbacher. [Hervorhebung von mir!] „Der Bologna-Prozess war notwendig“, so Hamburger. Das alte Studienkonzept sei auf eine kleine Elite von etwa vier Prozent ausgelegt gewesen; trotz der Schwierigkeiten könne jeder auch aus dem Bachelor- und Masterstudiengängen „etwas Gutes“ machen. Was er noch vermisse, so Gerd Schreiner, seien versprochenen kleinen Lerngruppen, um die Inhalte schneller und kompakter zu vermitteln: „Aber um das wirklich umzusetzen, müssen wir mehr Geld in die Hand nehmen.“ [Hervorhebung von mir!]

Noch Zeltplätze frei

Diskutiert und gefeiert wird noch bis Montag – und wie es aussieht, dieses Jahr auch wieder in besonders großer Runde. Auf den Zeltplätzen herrschte bis zum Samstagnachmittag noch Anreisestimmung – einige Plätze seien noch zu haben, nachdem man seit dem Ansturm im vergangenen Jahr erneut die Kapazitäten erweitert hatte, so Monika Roth vom Mainzer Jugendamt, das das Festival Jahr für Jahr veranstaltet. Konkrete Besucherzahlen liegen derzeit noch nicht vor, die Tageskassen sind geöffnet, es gibt derzeit noch Tagestickets und Festivaltickets für alle drei Festivaltage. Es sieht so aus, so Roths Eindruck, dass die Rekordbesucherzahl vom vergangenen Jahr, als das Festivalgelände und die Zeltplätze mit etwa 10.000 Besuchern aus allen Nähten geplatzt waren, 2010 sogar nochmal übertroffen wird. Am Samstag Nachmittag waren bereits mehr Karten verkauft als 2009 zum gleichen Zeitpunkt.

Programmhighlights sind unter anderem am heutigen Samstagabend die „Ton, Steine, Scherben“-Tribute-Band „Neues Glas aus alten Scherben“, am Sonntagabend die „Antagon Theateraktion“ und am Montagnachmittag „Miss Platnum“.

Quelle: Allgemeine Zeitung Online

Anmerkungen:

Von vier Podiumsteilnehmern werden nur drei genannt, obwohl die Form einer Aufzählung gewählt wird. Am Platz kann es a) online nicht gelegen haben und war b) offenkundig auch nicht zwecks Zweitverwertung zu berücksichtigen, da ja sogar der Moderator genannt wird. Der erhellende Hinweis, dass „wir“ für die von Gerd Schreiner ausgemalten „vernünftigen Lerngruppengrößen“ mehr Geld in die Hand nehme müssen (statt uns kaputt zu sparen), kam nicht von Schreiner, wie der Artikel suggeriert, sondern wurde ihm vielmehr von Manfred Bartl vorgehalten.

Immerhin gab es einen aushgezeichneten Leserkommentar (von wem der wohl stammt):

Ein Podiumsteilnehmer fehlt!

Dass man für die von ihm geforderten „vernünftigen Lerngruppengrößen“ „mehr Geld in die Hand nehmen“ müsse, hat nicht der Landtagsabgeordnete Schreiner von sich gegeben; das wurde dem CDU-Vertreter vielmehr von dem Mann vom Nachdenkseitengesprächskreis vorgehalten! Mit seinem „Bartl’schen Bildungsideal“ („Bildung ist Verantwortung über Wissen(serwerb)“ – freilich nach Humboldt’schen Vorbild und expressis verbis von Prof. Hamburger übernommen!) konnte er sich konsequent sowohl gegen Schreiner als auch – kurioserweise – gegen Prof. Hamburger selbst durchsetzen, dessen Bildungsbegriff er obendrein geschickt aufgriff, um die sog. „frühkindliche Bildung“ als inhaltsleere Nebelkerze zu enttarnen. Prima! Der abgebrühte Kerl ließ sich auch anderweitig nicht beeindrucken: Warum muss man, wenn man mehr Studenten an die Uni holen will, Abstriche an der Ausbildung vornehmen? Einfach mehr Studienplätze einrichten! Oder: Warum sollte man die Anforderungen runterschrauben, bloß weil viele den Stoff im konkreten Beruf nicht brauchen? Schließlich ist der normale Diplom-Umfang des Studiums vor Bologna die Grundlage der vielbeachteten Flexibilität deutscher Absolventen (gewesen)! Weltklasse, wie Bartl Schreiners Ausführungen zur Präsentations- und Wettbewerbsfähigkeit des Architekten (der Schreiner ist) als Sekundärtugenden entlarvte, denen die von Schreiner massiv geforderten „Anreize“ primär gelten würden, etwa für ein in kurzer Zeit abgeschlossenes Studium, obwohl ein kurzes Studium noch lange kein Qualitätsmerkmal sei. (Zumal Prof. Hamburger es zuvor schon für „idiotisch“ befand, mit einer Leistungsprämie zu unterstellen, dass bislang nicht ausreichend Leistungsbereitschaft vorhanden wäre!) Ich habe vernommen, Bartl wolle bei der Landtagswahl im Wahlkreis 27 ausgerechnet gegen Schreiner antreten. Das wird ein heißer Kampf!

Nachrichten

Bachelor und Beuteltier-WG

25.05.2010 – MAINZ

Von Maike Hessedenz

OPEN OHR Festival in Mainz bietet wieder zahlreiche Denk- und Lach-Anstöße

Bildungsmisere und Protestkultur, Wirtschaftskrise und Multimedia, Action-Kino und Schüttelreime, WG-Komik und Nachttheater: Politikschelte, Gesellschaftskritik und unkonventionelle Unterhaltung gab´s beim Open Ohr Festival in Mainz zuhauf – und das sowohl in Direktkonfrontation mit Entscheidern aus Parlamenten und Wirtschaft, als auch in amüsanter Lästerrethorik, gesungenem Wortwitz oder hochkarätigem Theater.

Kaum einen Konsens mit ihrem Auditorium fanden die Politiker, die sich auf den Podien dem Beschuss der Gäste aussetzten: Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) und der hessische Finanzstaatssekretär Dr. Thomas Schäfer (CDU) lieferten sich mit jungen Gästen einen Schlagabtausch zu den Themen Leiharbeit und Lebensarbeitszeit. „Leiharbeit kann okay sein, ist aber missbraucht worden, um Löhne herabzusetzen“, so Hering. Den Appell, eine gute Ausbildung zu absolvieren, richteten beide an die Jugend: „Der Mangel an Fachkräften ist jetzt schon spürbar“, so Schäfer.

Das Kreuz mit den Bachelor- und Masterstudiengängen wurde im Bildungspodium unter der Leitung von Journalist Karl Schlieker erörtert: Eine Reform sei notwendig gewesen, so der Mainzer Uni-Professor Dr. Franz Hamburger, das alte Studienkonzept sei auf eine Elite von etwa vier Prozent ausgelegt gewesen. Dass es jedoch noch viel zu tun gibt, bis Bachelor und Master eine akzeptable Ausbildung bieten, dessen waren sich nicht nur die Studenten im Auditorium sicher. [Hervorhebungen von mir!]

Nur knapp einem Eklat entging die Podiumsrunde zum Thema „Protestkultur“: Nachdem Heiko Friedrich vom AK Bildungsstreik den Kommune-1-Mitgründer Rainer Langhans mit einem Zitat konfrontierte, in dem Langhans unter anderem „Wir müssen die besseren Faschisten sein“ gesagt haben soll, drohte sich die Veranstaltung aufzulösen. Langhans vermochte es zwar nicht, seine Aussage zu erklären; man kehrte aber zur Diskussion über Protestkultur zurück: Hier beeindruckte die Aktivistin Cecile Lecomte, die dazu aufrief, auf die Straße zu gehen.

Vor allem die Unarten und Laster der modernen Zivilisation hatten sich die Theaterkünstler und Kabarettisten vorgeknöpft. In einer mitreißenden, emotionalen Ein-Frau-Show erzählte Heidi Callewaert vom „PassParTu Theater“ die Geschichte des zehnjährigen Jakob, der von seinem alleinerziehenden und Alkohol trinkenden Vater widerstandslos ins Heim abgegeben wird und schließlich auf der Straße landet. Dramatische Szenen, grandios vorgetragen in überzogen schräger Puppentheater-Action-Film-Parodie brachte „Das Helmi“ mit „Leon der Profi“ auf die Bühne.

Auch bei Uta Köbernick quoll das Zelt aus allen Nähten: „Jedes Weinland hat ne Leinwand“, „Zum Fremdgehen gibt´s so viele Leute, zum Treusein haben wir uns“. Die multitalentierte Kabarettistin verzückte mit ihrem schelmischen Grinsen, ihren frechen Phrasen und ihren „Liedern zum Weglassen“.

Vergnügen bereitete die eindrucksvolle Show des Antagon-Theaters mit den „Frame-Games“ auf der großen Wiese. Und Jung-Kabarettist Marc-Uwe Kling sorgte mit seinen Geschichten aus der WG mit dem Känguru für mitternächtliche Lachattacken.

Quelle: Allgemeine Zeitung vom 25.05.2010

Anmerkungen:

Das Bildungspodium, das in Wirklichkeit nur das erste von zwei Bildungspodien war, taucht nur noch als Randnotiz auf. Einzig Prof. Hamburger wird als Podiumsteilnehmer genannt und es bleibt auch nur noch eine Aussage übrig, nämlich dass das alte Studienkonzept nur auf eine Elite von etwa vier Prozent ausgelegt gewesen ist – eine offenkundig eher periphere Äußerung. Und dass der Bachelor jemals eine „akzeptable Ausbildung“ liefern könnte, zweifelte das Publikum nach dem Bildungspodium eher an, als dass es geglaubt haben würde, dass man nur etwas tun müsse, um dies zu erreichen!

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