Archiv für Juli, 2010

Bildungswilligkeit von Hartz-IV-EmpfängerInnen

Posted in Veranstaltung on 7. Juli 2010 by denknachmainz

Ein Gastbeitrag von H.E.

Liebe LeserInnen,

in meinem kurzen Redebeitrag beschäftigte ich mich am 9. Juni 2010 an einem Bildungsstreik in Mainz als Betroffener von Hartz IV mit der Bildungswilligkeit von Hartz-IV-EmpfängerInnen.

Aus der Bilanz eines bildungswilligen HartzIV-Empfängers:

359 Euro (= monatlicher Regelsatz; Miete und Heizung werden extra bezahlt)
Davon gehen ab:

  • 28 Euro STROM
  • 38 Euro MONATSKARTE (9-Uhr-Sparkarte) ÖPNV
  • ca. 33 Euro TELEFONGEBÜHREN (Flatrate mit Internet), ohne Handy
  • ca. 17 Euro KONTOFÜHRUNGSGEBÜHREN incl.
    ÜBERZIEHUNGSGEBÜHREN
  • bei vielen: ca. 20 Euro SCHULDENTILGUNG

Bleiben ca. 223 Euro ( = ca. 7,40 Euro pro Tag) für Ernährung, Anschaffungen aller Art, Fahrten außerhalb der Stadt, etc. Laut offiziellen Warenkorb von Hartz-IV – einem abstrakten, lebensfernen Gebilde – ist ist für Bildung vorgesehen:

Null Euro!

Ein Volkshochschulkurs wird bei einem freien Budget von ca. 7 Euro pro Tag
unerschwinglich!

Ich habe vor ein paar Tagen bei der Volkshochschule Mainz angerufen und auf meine Frage nach Vergünstigungen von VHS-Kursen für Hartz-IV-
EmpfängerInnen die abschlägige Antwort bekommen: „Die VHS-Kurse seien ja schon sooooo günstig, da können leider keine Ermäßigungen mehr gegeben werden“.

Ein Englisch-Anfänger-Kurs kostete im vergangenen Semester 163,- € !! Viele Sprachen-Kurse waren im vergangenen Semester unter 92,- € nicht zu haben. Wie soll das bitteschön mit 223,- € Auskommen pro Monat finanziert werden?

Bildungswilligkeit von HartzIV-EmpfängerInnen

Richten wir unseren Blick auf die Universitäten, Fachhochschulen und andere
Bildungseinrichtungen. Es gilt die Regel: Bist Du arbeitslos, bekommst Arbeitslosengeld oder Hartz IV, darfst Du nicht studieren! Der Umkehrschluss gilt entsprechend. Du hast zwar als Arbeitslose/r die Möglichkeit, Dich heimlich in die eine oder andere Vorlesung hineinzuschmuggeln, doch Scheine und Prüfungen machen: Fehlanzeige!

Was wird stattdessen für Arbeitslosengeld-EmpfängerInnen getan? Sie werden sehr oft in sinnlose und unpassende Fortbildungskurse von fragwürdigen Bildungsanbietern gestopft oder ihnen das 22ste sinnlose Bewerbertraining verpasst. Oder sie werden zum Nichtstun verdammt! Oder sie werden mit 1-€-Jobs schikaniert, wodurch wiederum reguläre Arbeitsplätze vernichtet werden!

So kann es nicht weitergehen!

Wir fordern:

  • Kostenfreie Öffnung der Universitäten, Hochschulen, Fachhochschulen und andere Bildungseinrichtungen für alle Menschen!
  • Kostenfreie Öffnung der Volkshochschulen für alle Menschen!
  • Für eine freie Bildung, frei von kapitalistischen, kommerziellen und Macht-Interessen!
  • Daraus folgt: Weg mit der Drittmittelforschung!
  • Keine Bundeswehr-Hochschulen und keine Bundeswehr in Schulen,
    Arbeitsämtern oder Messen/Festivals!
  • Für die Freiheit, sich Bildung selbst auszusuchen!
  • Für behinderte Menschen ein barrierefreies Studium!
  • Bildung darf nichts kosten!
  • Bildung ist ein friedliches Kulturgut bzw. Gemeingut und keine Ware!

Das sollten sich unsere Politiker-Pappnasen ganz dick hinter die Ohren
schreiben !
Mit freundlichen Grüßen
H. E.

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