Archiv für März, 2011

Gedankensplitter zur Lage im März 2011

Posted in Gesellschaft on 19. März 2011 by denknachmainz

Wo bleibt der Aufschrei der gerecht und billig Denkenden angesichts des Zustands unserer Gesellschaft?

Ich schätze, die billig Denkenden kaufen BILD und glauben daran! Die gerecht Denkenden definieren sich aus selbstgerecht!

Zu fragen ist eher: Wo sind die Mitfühlenden? Zu fordern: Allgemeiner Ausgleich muss gesellschaftliche Norm sein/bleiben! Und außerdem: Wer schreit, hat Unrecht oder schon verloren.

Wir brauchen viele laute und deutliche Stimmen – wohl überlegt, beharrlich vorgetragen und oft wiederholt. Dazu braucht es Mut!

Wenn, wie seit Jahren hinausposaunt, mein Nächster ebenso leiden soll wie ich, nur weil mir niemand zu Hilfe kam, muss ich davon ausgehen, dass mir ebendieser Nachbar bei nächster Gelegenheit ein Bein stellen wird – nur um selbst etwas besser dazustehen als ich, ohne jedoch eine tatsächliche Verbesserung seines eigenen Zustands erreicht zu haben. Hier zählt nur noch der Vergleich mit der unterlegenen Daseinsform, nicht mehr die allgemeine Möglichkeit der Entwicklung und persönlichen Entfaltung.

Die Leute ziehen ihr falsches Glück aus dem vermeintlichen Sieg über einen Schwächeren oder ihnen völlig Fremden, nur weil dieser aus verschiedenen Gründen nicht zu rückschlagen wird. Das geschieht frei nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist meinFreund – also das Unglück eines Anderen ist
mein Glück.

In Anlehnung an die in den letzten Jahrzehnten zuviel zitierte und überstrapazierte „Wirtschaftssprache“: Wir haben es seit langem mit einer Depression der gesellschaftlichen Norm und einer Inflation der gesellschaftlichen Gewalt zu tun!

Nun ist es unter Menschen eine Binsenweisheit, dass gesellschaftliche, also strukturelle Gewalt früher oder später in individuelle Grausamkeit umschlagen wird. Und da das ganze eine Handlungskaskade ist, bringt individuelles Verbrechen eben gesamtgesellschaftliches Fehlverhalten hervor. Der erschreckenden Beispiele sind gar viele: die Kreuzzüge, die Inquisition, die Vernichtung der Ureinwohner Amerikas durch die europäischen Einwanderer, die deutsch-französischen Kriege (wer
hat die Elsässer und Lothringer je gefragt?), die Geschichte Irlands. Und leider gar nicht mehr so neu: der Raubbau am Sozialstaat!

U.P.