Solidaritätsadresse an die BesetzerInnen der Oberen Austraße 7 zur Räumung

Wir haben Eurer Kommunikationsverhalten während der Instandbesetzung des Anwesens Obere Austraße 7 immer sehr genossen und für demokratisch vorbildlich gehalten.

Es ist wie ein Wunder, in welch kurzer Zeit ein diskriminierungsfreier, nichtkommerzieller, künstlerisch hochgradig kreativer und politischer Raum in der Oberen Austraße 7 entstanden ist.

Es ist ganz ganz toll, was von Euch in den vergangenen dreieinhalb Wochen geleistet wurde. Hier eine kleine Aufzählung, wie wir sie vom NachDenkSeiten-Gesprächskreis Mainz erleben konnten:

  • Einrichtung von gemütlichen Räumen/Plätzen
  • Aufräumen, Müll beseitigen, Sicherheitsinstallationen anbringen
  • hervorragende Volksküche
  • nicht-kommerzielle kulturelle Angebote, die ansonsten in Mainz fehlen oder nicht für alle BewohnerInnen der Stadt Mainz zugänglich sind (z.B. „Einführung ins Denken Adornos„, Yoga, Musikinstrumente lernen …)
  • politische Vorträge und Diskussionen (z.B. Vortrag und Diskussion „Soziale Spaltung in Deutschland“ mit Prof. Dr. Michael Hartmann, Öffentlicher Raum und Wohnungslose (Lesung und Diskussion mit Jürgen Malyssek)
  • Informationen für ALG II-Leistungsberechtigte
  • u.v.m.

Umso mehr bedrückt es uns, zu sehen, wie dieser dringend benötigte Raum seitens der Stadt Mainz kompromisslos zerstört wurde.

Zudem wurden für das Gemeinwesen engagierte junge Menschen, Ihr nämlich, häufig zum ersten Mal, mit dieser zerstörerischem Form der deutschen Staatsgewalt konfrontiert. Was bewirkt es, wenn Konflikte nicht mit politischen Verhandlungen, sondern mit Polizeigewalt „kaltgestellt“ werden sollen? Resignation, Verbitterung und Radikalisierung?

Es lässt sich nicht der Eindruck verdrängen, dass ein freies kulturelles Leben in Mainz nicht erwünscht ist. Die Stadt handelt unklug, wenn sie sich auf Jahre hinaus Ärger einhandeln will, indem sie die legitime Forderung nach diskriminierungsfreien autonomen Räumen ignoriert und stattdessen weitere Privatisierungen wie beispielsweise die ECE- Shopping-Mall favorisiert.

Sie sollte sich ein Beispiel an der Stadt Rüsselsheim nehmen. Dort sind schon seit vielen Jahren gleich zwei politisch autonome Zentren und zwar das „Freiwerk“ und der „Wagenplatz“ am Mainufer etabliert. Ideen und berechtigte Forderungen sterben nicht.

Wir erinnern an den OB-Kandidaten und Bürgermeister Günter Beck, der für sich mit dem Slogan geworben hatte „Holt Euch Eure Stadt zurück!“, jedoch kein einziges Mal in der Oberen Austraße 7 während der Instandbesetzung erschienen ist.

Wir werden Eure Forderungen gerne weiterhin unterstützen!

NachDenkSeiten-Gesprächskreis Mainz

Link: soziokulturelles Zentrum Obere Austraße 7

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