Archiv für Oktober, 2012

Das Schuldeingeständnis des Internationalen Währungsfonds IWF

Posted in NachDenkSeiten with tags , on 20. Oktober 2012 by denknachmainz

In den Hinweisen des Tages der NachDenkSeiten vom 17. Oktober 2012 um 8:46 Uhr findet sich unter Punkt 1 ein „Hinweis“, der so zentral ist, dass er eigentlich eines eigenen Artikels bedarf. Unter dem wahnsinnig reißerischen Titel „Multiplikator bisher falsch berechnet“ berichtet der ORF von einem „Akt des Aufstands“ (nach einem Kommentar der „Financial Times“), den „mehrere Finanzexperten“ als das „wichtigste makroökonomische Ereignis dieses Jahres“ eingestuft hätten. „Versteckt in einer Fact-Box kommt der IWF in dem Bericht ([IWF-Wachstumsausblick (PDF)] Seite 41 bis 43, Anm. [von ORF.at]) zum Schluss, dass übermäßiges Sparen das erklärte Ziel, die Schulden in einem überschaubaren Zeitraum zu verringern, verfehlt. Das kommt einem indirekten Schuldeingeständnis gleich.“ Der IWF habe bislang einen fiskalpolitischen Multiplikator von 0,5 angenommen. „Das bedeutet, dass die Wirtschaft für jeden Euro an öffentlichen Ausgaben weniger um 0,50 Cent schrumpft. Laut der aktuellen Studie liegt dieser Effekt aber deutlich höher – bei 0,9 bis 1,7. Beim angenommenen Multiplikationsfaktor 1,5 würde eine dreiprozentige Reduktion des Budgets zu einem Rückgang der Konjunktur um 4,5 Prozent führen. Damit [würde] deutlich, mit welchem Ausmaß an Rezession Spanien zu rechnen hat. Außerdem mache es klar, dass das von der Madrider Regierung für 2013 prognostizierte leichte Minus beim Wachstum von 0,5 Prozent eine Illusion sei.“

Mit dem „Schluss, dass übermäßiges Sparen das erklärte Ziel, die Schulden in einem überschaubaren Zeitraum zu verringern, [verfehle]“, wechselt der IWF – nach Einschätzung von ORF – die Seiten! „Auch Marc Chandler, Währungsstratege bei Brown Brothers Harriman, interpretiert das laut „Neuer Zürcher Zeitung“ ganz ähnlich: Mit der neuen Berechnung des fiskalpolitischen Multiplikators stelle sich der Währungsfonds klar hinter die verschuldeten Staaten. Das zeige sich auch darin, dass IWF-Chefin Christine Lagarde zuletzt auch öffentlich davor warnte, dass Gläubiger wie Deutschland die Sparauflagen für Griechenland und Co. nicht übertreiben dürften.“

Der ORF ergänzt noch eine Einschätzung, die weder inhaltlich begründet ist noch angesichts der hoffnungsvollen Entwickung besonders begrüßt werden könnte: „Laut „Business Insider“ werde der IWF-Kurswechsel der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) trotz des geäußerten Unmuts Schäubles nicht schaden. Im Gegenteil werde das Merkel bei der Neuanpassung ihrer Agenda vor der Bundestagswahl im kommenden Jahr helfen.“ – Pure Meinungsmache!

Angesichts  deutscher Politiker, von denen wir wissen, wie eifrig sie um die Korrektur ihrer eigenen Fehler bemüht sind, kommen die Leute vom IWF  hoffentlich nichtsdestotrotz baldmöglichst auf den Trichter, von schädlichen „Sparauflagen“ als Gegenleistung für monetaristische Hilfestellungen abzusehen…

Alle Links via ORF.at

Advertisements