Archive for the Hinweise Category

Hinweis auf Unterwerfung als Freiheit

Posted in Hinweise, Literatur on 23. November 2015 by denknachmainz

Heute wurde auf den NachDenkSeiten in den Hinweisen des Tages ein Interview von Jens Wernicke mit Patrick Schreiner bei „Le Bohemien“ verlinkt. Thema des Interviews ist der Erfolg des Neoliberalismus anhand des Buches „Unterwerfung als Freiheit“ von Patrick Schreiner (Jahrgang 1978, Politikwissenschaftler, Publizist und hauptamtlicher Gewerkschafter).

„Der Neoliberalismus ist als Gesellschaftsideologie ein Phänomen“, leitet Jens Wernicke das Interview ein und reiht zur Illustration einige Politik-Issues auf, bei denen der Neoliberalismus spürbar Fuß gefasst hat. Alle diese Issues sind mit Artikeln und Interviews auf den NachDenkSeiten verlinkt – und gleich das erste ist das Interview mit dem Herausgeber dieses Blogs vom 24. Februar 2015: „Nicht nur macht [der Neoliberalismus] den Armen und Arbeitslosen weis, sie selbst wären an ihrem Elend schuld. Er schafft es auch, dafür zu sorgen, dass das wahre Ausmaß der gesellschaftlichen Armut kaum je an die Öffentlichkeit dringt.“

Der zweite Aspekt beschäftigt sich mit der Studie „Erst 730 Euro Hartz-IV-Satz decken das soziokulturelle Existenzminimum“ von Lutz Hausstein, dessen Interview mit Jens Wernicke am 28. Mai 2015 erschienen war. In diesem Blogbeitrag zum Hinweis auf das Interview taucht dieser Aspekt zwar nur aufgrund der Satzstruktur „Nicht nur …. Auch….“ auf, ich erlaube mir jedoch die inhaltliche Bemerkung, dass es mich nach wie vor wundert, wie überaus assymmetrisch diese beiden Aspekte diskutiert werden, aber auch mein Schwarzfahren für Gerechtigkeit im Vergleich zum Sanktionshungern. Vielleicht macht sich doch einmal jemand Gedanken darüber, dass es keine Vermittlungshemmnisse gibt, weil es nur ein „Denkgift“ im Rahmen von weiteren Naturalisierungs- und Individualisierungs-Strategien, ein „Befriedungsverbrechen“ darstellt. Dass im Jobcenter nicht vermittelt wird und dass die Menschen auf Dauer vom Arbeitsmarkt ferngehalten und abgewöhnt werden…

Naturalisierung und Individualisierung

Posted in Hinweise, Literatur, Medien on 10. November 2015 by denknachmainz

Jens Wernicke und Torsten Bultmann haben das BdWi-Studienheft „Naturalisierung und Individualisierung. Beiträge der Wissenschaft zur Legitimation von Armut und Ausgrenzung“ herausgebracht. Leitgedanke waren sog. „Befriedungsverbrechen„, wie Franco Basaglia, ein Vertreter der italienischen Anti-Psychatrie, diese Art „Wissenschaft“ genannt und sie als „Dienstbarkeit der Intellektuellen“ angeprangert hat. In vielen Bereichen wissenschaftlicher Begleitung gesellschaftlicher Phänomene werden Entwicklungen pathologisch oder soziopathisch umgedeutet, sodass Ursachen an Individuen festgemacht und ihnen zum Teil als Schuld, zum Teil als Krankheit angelastet werden, die eigentlich Auswirkungen gesellschaftlicher (Fehl-)Entwicklungen sind. Die Rede ist etwa von Dyskalkulie, Dyslexie, Legasthenie, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS), Hoch- oder Minderbegabung bzw. Bildungsferne – zuletzt sogar die Trauer über den Tod eines nahen Menschen, die schon als Krankheit gilt, wenn sie länger als 14 Tage währt. Was aber pathologische Ursachen habe, so diese „Schule“, könne man durch therapeutische oder medikamentöse Ansätze wieder heilen oder, um es mit Götz Eisenberg zu sagen: „Das abgesprungene Rad wird einfach wieder an den Wagen montiert“. Im Endresultat werden die gesellschaftlichen Entwicklungen ausgeblendet und quasi negiert; niemand nimmt sich ihrer mehr an.

In diesem Sinne ist diese Veröffentlichung zugleich Ermutigung wie Provokation.

Provokation, weil die Autorinnen und Autoren viele übliche Erklärungsansätze des akademischen Mainstreams, die gesellschaftliche Verhältnisse ausblenden und soziale Problemlagen allzu oft personalisieren und also individualisieren, kritisch hinterfragen und die Thesen wagen, dass es Rechtschreibschwäche, ADHS etc. sowie soziale Differenzen erklärende genetische Unterschiede zwischen Menschengruppen gar nicht gibt, sondern solche Konstrukte vielmehr Ablenkung vom Eigentlichen sind.

Und Ermutigung, weil wir gemeinsam sehr wohl herausfinden können, was ein freudvolleres, lebenswerteres Leben ausmachen kann, das mehr auf Kooperation denn auf Konkurrenz ausgerichtet ist, mehr auf Ermutigung denn auf normierende Erziehung und mehr auf Neugier denn auf Leistungssteigerung.

Info zur Neuerscheinung hier:
jensewernicke.wordpress.com/2015/10/26/bdwi-studienheft/

Versandkostenfreie Bestellung für max. 8 Euronen hier: www.bdwi.de/verlag/bestellen/index.html.

Ergänzende Informationen zum „Befriedungsverbrechen“ mittels „Vermittlungshemnnissen“, dem Interview der NachDenkSeiten mit Manfred Bartl unter dem Titel:
Die Hartz IV-Ideologie

Journalistische Sensation: „ein etwas zynischer Ansatz“

Posted in Hinweise, TV on 3. Januar 2015 by denknachmainz

Katja Kipping als Spielball im ARD moma

Im ARD Morgenmagazin am Freitag, den 2. Januar 2015 hat die Parteivorsitzende der Partei DIE LINKE, Katja Kipping um 7:10 Uhr eine frühmorgendliche Spitzenleistung hingelegt, aber in die Geschichte eingehen wird das Interview wegen der (selbst)entlarvenden Übergabemoderation von Köln nach Berlin:

Till Nassif (ARD Köln): „… müsste Parteichefin Katja Kipping von der LINKEN eigentlich hochzufrieden auf 10 Jahre Hartz IV blicken, oder Christiane Meier in Berlin?“

Christiane Meier (ARD Berlin): „Ha, das ist natürlich ein etwas zynischer Ansatz, ja, aber….“

Leider setzt das Mediathek-Video nicht eher ein, sodass ich nicht weiß, weswegen sie konkret „hochzufrieden“ auf 10 Jahre Hartz IV blicken können sollte. Aber es ist krass, wie eine öffentlich-rechtliche Moderatorin einem Kollegen vom eigenen Sender die Weltfremdheit seines Moderationsansatzes enttarnt und ihn in der Luft zerreißt – um allerdings in der Folge mehrfach selbst Ansätze zu wählen, die direkt der Regierungspropaganda entnommen und durch noch keinen einzigen journalistischen Filter gejagt worden zu sein schienen!

Beispielweise wählte Christiane Meier einmal den plakativ fordernden Ansatz, „immerhin haben sich die Langzeitarbeitslosen angeblich [!!!] halbiert, die Anzahl der Langzeitarbeitslosen“. – Wie soll Katja Kipping darauf reagieren, dass ihr eine Journalistin das Stöckchen hinhält, die Anzahl der Langzeitarbeitslosen habe sich angeblich halbiert?

ursprüngliche Nachrichtenquelle

ARD-Mediathek-Links dazu: 1 2

Nur per HTML-Quelltext öffentliche Information: In dieser XML-Datei sind die Video-Links der diversen, zur Verfügung stehenden Video-Formate zu finden. Das Video ist gemäß den öffentlich-rechtlichen Depublikationsrichtlinien (über die offiziellen Webseiten zumindest) nur noch bis zum 10. Januar 2015 verfügbar!! Über die Video-Links ggf. länger, aber das entzieht sich meiner Kenntnis…

Der Informationstext auf den beiden ARD-Webseiten 1 2:

Video: Kipping: Hartz IV braucht grundsätzlichen Neustart

02.01.15 | 04:33 Min. | Verfügbar bis 10.01.15

Die Vorsitzende der Linkspartei Katja Kipping hat eine grundlegende Reform der Hartz IV-Gesetze gefordert. „Wir sagen nach zehn Jahren Hartz IV: Es braucht einen grundlegenden Neustart. Wir kritisieren Hartz IV ganz grundsätzlich zum Beispiel, weil die Hartz IV-Sanktionen immer wie ein Damokles-Schwert über den Betroffenen hängen.“ In einer Gesellschaft, in der sich Existenzangst verbreite, verschärfe sich das gesellschaftliche Klima, sagte Kipping.

Meine Ergänzung zum Interview:

Dass die 1,6 Millionen Kinder des ursprünglichen Ansatzes von Christiane Meier nicht mehr drankamen, ist bedauerlich, aber umso mehr begeisterte Katja Kipping mich mit ihrem abschließenden Hinweis: „Und ich will nochmal sagen: Hartz IV bedeutet wirklich Armut per Gesetz. Ich will das mal an einem Beispiel verdeutlichen: Im Regelsatz sind 25 Euro für Verkehr vorgesehen. Man muss mir mal sagen, in welcher Stadt man dafür wirklich ein Monatsticket bekommt!

Die Anmerkung verwist auch auf mein eigenes Anliegen, ein bezahlbares Sozialticket für Hartz IV-Leistungsberechtigte einzufordern, um dem Grundrecht auf Mobilität gerecht zu werden, das aus dem Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums des Bundesverfassungsgerichtsurteils vom 9. Februar 2010 abzuleiten ist. Allerdings meine ich, dass diese Argumentationslinie mit den 20,30 Euro, die spezifisch für Fahrkarten im lokalen ÖPNV vorgesehen sind, besser bedient wäre – als runder Betrag also 20 Euro… Und berücksichtigt man darüber hinaus den um 10 Prozent reduzierten Paar-Regelbedarf, darf ein Sozialticket eigentlich nur 18 Euro kosten, um kein (weiteres) Bürokratiemonster zu schaffen.

Dazu habe ich meine eigene Presseerklärung herausgegeben.

FAZ über Unternehmen mit Anlageproblemen und beliebte Zweitjobs

Posted in Hinweise, Medien, NachDenkSeiten on 16. Juli 2014 by denknachmainz

Auf den „Hinweisen des Tages“ der NachDenkSeiten vom 15. Juli 2014 finden sich gleich zwei Themen, Unternehmensliquidität und Zweitjobs, die unter dem Gesichtspunkt der Meinungsmache so wichtig sind, dass sie eigene Beiträge verdienten – zumal beide dasselbe Medium betreffen, nämlich die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ)!

Auch Unternehmen plagen sich mit Anlageproblemen

In unschuldiger Offenheit bestätigt die FAZ die Aussagen von [Heiner] Flassbeck: dass die Großunternehmen heutzutage nicht Nettoschuldner sind (wie es richtig wäre), sondern Nettogläubiger„, kommentiert NDS-Leser J.A. den – eigentlich vom FINANCE-Magazin übernommenen – FAZ-Beitrag „Auch Unternehmen plagen sich mit Anlageproblemen“ (dessen URL einen sich alternativ anbietenden Titel „CFOs haben Anlageprobleme“ featured). „Die Situation ist völlig absurd und das Resultat einer gescheiterten Politik. Seit Kohl und Schröder wurde behauptet, dass Unternehmen höhere (Real-)Investitionen leisteten, wenn man ihnen nur einen größeren Teil des Volkseinkommens überließe. Empirisch wird hier das Gegenteil berichtet: an (Real-)Investitionen wird nicht im Traum gedacht; die Unternehmen verhalten sich wie Zockerbanken. Weil sie zu viel Geld haben und nicht einmal Anlagemöglichkeiten sehen, die höher als eine mickrige Festgeldverzinsung von 1 Prozent rentieren.“ (Hervorhebungen von mir)

Zweitjobs immer beliebter

„JK“ kann hier einen herausragenden FAZ-Leserkommentar zitieren und bewertet: „Hier stimmt der Spruch der FAZ, dass dahinter immer ein kluger Kopf steckt. Die Leser der FAZ sind offenbar weniger ideologisch vernagelt als deren (Wirtschafts)[R]edakteure“, nämlich:

„Klar, ältere Menschen bekommen immer weniger Geld und müssen ihre Rente aufbessern, werden viele jetzt mosern. Stimmt nicht ganz. Die machen das aus Spaß. Denn es sind ja Renter, die müssen also nicht mehr arbeiten.
Niedriglohnjobs immer beliebter
Klar, die Arbeitsangebote werden weniger und für Singles/Alleinerziehende ist der Verdienst ja immer noch mehr als Hartz-IV, werden etliche behaupten. Alles falsch. Die Wirtschaft brummt, Fachkräft werden überall gesucht. Schon für 2 Euro die Stunde!
Sterben immer beliebter
Klar, die Lebenserwartung sinkt wieder, vor allem bei Geringverdienern und das hängt zusammen, werden einige behaupten. Stimmt aber nicht. Die wollen nur aufhören, wenn es am schönsten ist. Und das ist ja das Alter, wie hier bewiesen wurde.
Medien immer unbeliebter
Klar, die schreiben nur aus dem Elfenbeinturm und versuchen, die politisch gewollte Massenverarmung argumentativ zu untermauern, werden viele sagen. Stimmt.“

Wie dreist hier von der „Qualitätspresse“ relativiert wird, belegt der Textausschnitt, der auch in den NDS-Hinweisen zitiert wird:

„Eine steigende Zahl von Arbeitnehmern in Deutschland geht neben ihrem Hauptberuf einem Minijob nach. In den drei Jahren von Ende 2010 bis Ende 2013 hat sie sich um mehr als 210.000 oder fast 10 Prozent auf 2,68 Millionen erhöht. Das zeigen neue Daten der Bundesagentur für Arbeit, die der F.A.Z. vorliegen. Die Zahl der Erwerbstätigen, die ausschließlich einen Minijob haben, ist dagegen seit 2010 um fast 2 Prozent auf 4,83 Millionen geschrumpft.
Nach einer beliebten Lesart belegt diese Entwicklung, dass Arbeit in Deutschland immer schlechter bezahlt sei. Immer mehr Arbeitnehmer seien auf eine Nebentätigkeit angewiesen, weil der Lohn aus ihrem Hauptberuf nicht mehr zum Leben ausreiche – so schallte es dazu in den vergangenen Jahren regelmäßig aus Gewerkschaften, Grünen und Linkspartei.
Ein genauerer Blick auf die Daten der Arbeitsagentur zeigt indes, dass mit dieser Lesart etwas nicht stimmen kann – schon gar nicht, wenn man gleichzeitig die Ansicht vertritt, dass immer mehr junge Berufseinsteiger in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt würden: Interessanterweise sind es in allererster Linie die älteren Arbeitnehmer, die sich in wachsender Zahl für einen Minijob neben ihren Hauptberuf interessieren.“

Petition an den VMW: Erweiterte Mitnahmeregelung für Familien wiederherstellen

Posted in Hinweise, Petition on 29. Januar 2014 by denknachmainz

Werte Mitstreiterinnen und Mitstreiter!

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 ist im Verkehrsverbund Mainz-Wiesbaden (VMW) die familienfreundliche Mitnahmeregelung für eigene Kinder entfallen und durch eine merkwürdige, zwar auf beliebig viele Kinder ausgedehnte, aber realitätsfern auf nach 19 Uhr (und auf Wochenenden und Feiertage) beschränkte RMV-weit gültige Mitnahmeregelung ersetzt worden. Komischerweise ist der (in irgendeiner Form von Öffentlichkeit spürbare) Protest ausgbelieben…

Umso erstaunlicher, dass sich jetzt (über Antenne Mainz aufgeschnappt und im Wiesbadener Kurier ist es auch nachzulesen) der Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) im Magistrat „durchsetzen“ konnte, dass „die Wiesbadener Stadtbusse ab 1. März 2014 wieder zur alten Familienmitnahmeregelung zurückkehren“!

Im den Kommentaren zum WK-Online-Artikel fand ich einen Hinweis auf eine AVAAZ-Petition zur Wiederherstellung der erweiterten Mitnahmeregelung des VMW, und obwohl ich weder von AVAAZ überzeugt noch von der Petition (die mit der Formulierung „Bisher durften….“ beginnt) begeistert bin, möchte ich (da es offenbar die einzige Form öffentlichen Protests gegen den Unsinn ist) die Mitzeichnung empfehlen!

(Bitte behaltet die Petition im Auge, denn es geht nur um 100 MitzeichnerInnen und ich habe im Verlauf meiner Mitzeichnung im Augenwinkel den Hinweis „Diese Petition wartet auf Genehmigung durch die Avaaz-Gemeinschaft“ aufgeschnappt. Die eigentliche Petition wird also womöglich erst nachgeschoben/aus der Initiierungspetition in die eigentliche Petition umgewandelt, wenn die ersten 100 Leute dabei sind.)

Wäre schon mal ein Anfang (und ein Achtungserfolg), die familienfreundliche Mitnahmeregelung wiedereinzurichten, bevor man sich um SozialPass und ticketlosen ÖPNV bemüht! Außerdem sollte die familienfreundliche Mitnahmeregelung ein Kennzeichen des gesamten VMW sein und nicht auf Wiesbaden beschränkt werden. Dasselbe gilt auch für die auf Wiesbadener Seite mit Sozialticket mögliche S-Bahn-Benutzung, die in Mainz grundlos eingeschränkt ist.

Mit solidarischen Grüßen
Manfred

Verkehrsverbund Mainz-Wiesbaden (VMW): Stellen Sie die erweiterte Mitnahmeregelung im VMW wieder her!

Bisher durften Erwachsene mit Zeitkarte (Wochen-, Monats- oder Jahreskarte) des VMW alle eigenen oder bis zu drei fremde Kinder bis 14 Jahren ab 9 Uhr kostenlos in den öffentlichen Verkehrsmitteln des VMW mitnehmen.

Ab 15.12.2013 wird diese Mitnahmeregelung des VMW eingestellt und durch die Mitnahmeregelung des RMV ersetzt. Damit dürfen Erwachsene Kinder erst ab 19 Uhr kostenlos mitnehmen, dafür dann aber nicht nur die eigenen oder bis zu drei, sondern beliebig viele…

Für viele Familien stellt die neue Regelung keine Verschlechterung dar, denn die meisten Gymnasiasten bekommen ihre eigenen Zeitkarten aus Steuermitteln bezahlt (das nächste Gymnasium liegt in der Regel mehr als 4km vom Wohnort entfernt, damit ist die Voraussetzung erfüllt, dass die Fahrtkosten erstattet werden).

Gerade sozial schwächere Familien, deren Kinder in die Realschule Plus (früher Hauptschule) gehen, werden durch die neue Regelung benachteiligt. Solche Kinder haben in der Regel keine eigene Zeitkarte, denn die Realschule liegt ja oft weniger als 4km entfernt, und selbst wenn der Weg durch unbeleuchtete Felder und an stark befahrenen Straßen vorbei führt, werden die Kosten für eine Zeitkarte bei diesen Kindern nicht vom Steuerzahler getragen.

Für Familien mit mehreren Kindern stellt sich nun ernsthaft die Frage, ob es nicht günstiger ist, mit dem Auto zu fahren, als die vorhandene Fahrkarte eines Elternteils für die gemeinsame Fahrt zu verwenden.

Es ist schwer verständlich, warum Tiere und Fahrräder im VMW unentgeltlich befördert werden, wenn sie in Begleitung eines zahlenden Fahrgastes sind, Kinder aber nicht.

Die VMW führt als Begründung für die Umstellung der Mitnahmeregelung eine Harmonisierung im RMV-Verkehrsverbund an. Die Harmonisierung begrenzt sich jedoch auf diese Mitnahmeregelung – bei der Fahrradmitnahme sieht die VMW keinen Bedarf zur Harmonisierung.

Petition zeichnen!

Aus dem Selbstverständnis von AVAAZ: „Avaaz.org ist ein weltweites Kampagnennetzwerk mit 32 Millionen Mitgliedern, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Einfluss der Ansichten und Wertvorstellungen aller Menschen auf wichtige globale Entscheidungen durchzusetzen. („Avaaz“ bedeutet „Stimme“ oder „Lied“ in vielen Sprachen). Avaaz Mitglieder gibt es in jedem Land dieser Erde; unser Team verteilt sich über 18 Länder und 6 Kontinente und arbeitet in 17 verschiedenen Sprachen.“

Werner Jakstat verhindert NSU-Fahndung

Posted in Hinweise, NachDenkSeiten on 11. Dezember 2013 by denknachmainz

In den heutigen „Hinweisen des Tages“ auf den NachDenkSeiten findet sich nur ein klitzekleiner Hinweis auf einen Skandal ohnegleichen. Ohne Kommentar wird die Meldung „Suche nach NSU-Terroristen: LKA-Fahndung gezielt verhindert?“ von den Seiten der Tagesschau angerissen: „Die Fahndung nach dem gesuchten Neonazi Uwe Böhnhardt wurde nach Aussagen eines LKA-Beamten gegenüber Report Mainz gezielt verhindert. Demnach hatte der heutige LKA-Präsident Werner Jakstat im Jahr 2003 die Anweisung gegeben, einem Zeugenhinweis nicht weiter nachzugehen. Damit liegt erstmals seit Auffliegen des NSU eine konkrete Aussage vor, dass Behörden gezielt ein Ergreifen des Trios verhindert hätten.

Wie eindeutig der Fall liegt, belegt dieses Zitat: „Der Informant vom Landeskriminalamt sagte gegenüber Report Mainz, der damalige LKA-Vizepräsident Werner Jakstat habe ihn persönlich angerufen und die Ermittler angewiesen, nichts herauszufinden. Daraufhin seien alle Ermittlungen eingestellt worden.

Diese Aussage liegt ‚Report Mainz‘ als eidesstattliche Versicherung vor. Im Interview sagt der Informant wörtlich: ‚Der Auftrag hat gelautet: Fahrt mal raus, damit keiner sagen kann, wir hätten gar nichts gemacht. Also haben wir den Zeugen befragt. Aber wir sollten nichts ermitteln. Es wurde explizit gesagt: Kriegen Sie da nichts raus.‚“

Selbst der CDU-Obmann im U-Ausschuss des Bundestags zum NSU, Clemens Binninger, erkennt laut Zitat an: „Es gab eine Reihe von Fehleinschätzungen und Pannen, aber ein aktives Einflussnehmen konnten wir im Untersuchungsausschuss nicht feststellen. Insofern hätte das eine neue Dimension.

Umso unverständlicher ist das Fragezeichen im Beitragstitel und auch im Anreißer auf den NachDenkSeiten! Das Landeskriminalamt Thüringen, namentlich in Gestalt von Werner Jakstat, ließ das NSU-Trio bewusst und gezielt entkommen! Zehn Jahre später ist dieser Mann LKA-Präsident! WTF!!

zur Niedersachsen-Wahl

Posted in Hinweise on 23. Januar 2013 by denknachmainz

Ich habe mir gemäß der Tradition der NachDenkSeiten die Mühe gemacht, aus dem Vorläufigen Amtlichen Endergebnis der Landtagswahl in Niedersachsen die Stimmenanteile der Parteien bezogen auf alle Wahlberechtigten, nicht nur auf die gültigen Zweitstimmen der tatsächlichen Wählerinnen und Wähler, auszurechnen. Hier das Ergebnis angesichts der dürftigen Wahlbeteiligung von 59,4 Prozent:

Landtagswahl Niedersachsen 2013

Wahlberechtigte: 6.100.218

Stimmanteile der Parteien bezogen auf alle Wahlberechtigten

CDU: 21,11 Prozent
SPD: 19,11 Prozent
FDP: 5,82 Prozent
GRÜNE: 8,03 Prozent
DIE LINKE: 1,84 Prozent
PIRATEN: 1,24 Prozent

Die Partei DIE LINKE. und die PIRATENPARTEI sind mit nach dieser Rechnung zusammen mageren 3,08 Prozent leider nicht in den Landtag von Niedersachsen gewählt worden, obwohl sie die einzigen Alternativen zu den neoliberalen Blockparteien darstellen. Nach konventioneller Zählung wären sie als Wahlbündnis wie ehedem WASG und PDS.Linkspartei übrigens im Landtag drin mit 3,14  Prozent + 2,11 Prozent = 5,25 Prozent…

Für die Lager ergeben sich also folgende – jeweils nur knapp das Viertel aller Wahlberechtigten überschreitenden – Werte:

rot-grün: 27,14 Prozent

schwarz-gelb: 26,93 Prozent

Selbst die große Koalition CDU/SPD käme nur auf einen Wert von 40,22 Prozent, was die vormaligen „Volksparteien“ nach konventioneller Berechnung früher locker solo erreichten…

Die größte „Fraktion“ ist demnach wieder einmal die der Nichtwähler inkl. der Wählerinnen und Wähler, die einen ungültigen Stimmzettel abgegeben haben: 41,4 Prozent!