Archive for the Literatur Category

Hinweis auf Unterwerfung als Freiheit

Posted in Hinweise, Literatur on 23. November 2015 by denknachmainz

Heute wurde auf den NachDenkSeiten in den Hinweisen des Tages ein Interview von Jens Wernicke mit Patrick Schreiner bei „Le Bohemien“ verlinkt. Thema des Interviews ist der Erfolg des Neoliberalismus anhand des Buches „Unterwerfung als Freiheit“ von Patrick Schreiner (Jahrgang 1978, Politikwissenschaftler, Publizist und hauptamtlicher Gewerkschafter).

„Der Neoliberalismus ist als Gesellschaftsideologie ein Phänomen“, leitet Jens Wernicke das Interview ein und reiht zur Illustration einige Politik-Issues auf, bei denen der Neoliberalismus spürbar Fuß gefasst hat. Alle diese Issues sind mit Artikeln und Interviews auf den NachDenkSeiten verlinkt – und gleich das erste ist das Interview mit dem Herausgeber dieses Blogs vom 24. Februar 2015: „Nicht nur macht [der Neoliberalismus] den Armen und Arbeitslosen weis, sie selbst wären an ihrem Elend schuld. Er schafft es auch, dafür zu sorgen, dass das wahre Ausmaß der gesellschaftlichen Armut kaum je an die Öffentlichkeit dringt.“

Der zweite Aspekt beschäftigt sich mit der Studie „Erst 730 Euro Hartz-IV-Satz decken das soziokulturelle Existenzminimum“ von Lutz Hausstein, dessen Interview mit Jens Wernicke am 28. Mai 2015 erschienen war. In diesem Blogbeitrag zum Hinweis auf das Interview taucht dieser Aspekt zwar nur aufgrund der Satzstruktur „Nicht nur …. Auch….“ auf, ich erlaube mir jedoch die inhaltliche Bemerkung, dass es mich nach wie vor wundert, wie überaus assymmetrisch diese beiden Aspekte diskutiert werden, aber auch mein Schwarzfahren für Gerechtigkeit im Vergleich zum Sanktionshungern. Vielleicht macht sich doch einmal jemand Gedanken darüber, dass es keine Vermittlungshemmnisse gibt, weil es nur ein „Denkgift“ im Rahmen von weiteren Naturalisierungs- und Individualisierungs-Strategien, ein „Befriedungsverbrechen“ darstellt. Dass im Jobcenter nicht vermittelt wird und dass die Menschen auf Dauer vom Arbeitsmarkt ferngehalten und abgewöhnt werden…

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Naturalisierung und Individualisierung

Posted in Hinweise, Literatur, Medien on 10. November 2015 by denknachmainz

Jens Wernicke und Torsten Bultmann haben das BdWi-Studienheft „Naturalisierung und Individualisierung. Beiträge der Wissenschaft zur Legitimation von Armut und Ausgrenzung“ herausgebracht. Leitgedanke waren sog. „Befriedungsverbrechen„, wie Franco Basaglia, ein Vertreter der italienischen Anti-Psychatrie, diese Art „Wissenschaft“ genannt und sie als „Dienstbarkeit der Intellektuellen“ angeprangert hat. In vielen Bereichen wissenschaftlicher Begleitung gesellschaftlicher Phänomene werden Entwicklungen pathologisch oder soziopathisch umgedeutet, sodass Ursachen an Individuen festgemacht und ihnen zum Teil als Schuld, zum Teil als Krankheit angelastet werden, die eigentlich Auswirkungen gesellschaftlicher (Fehl-)Entwicklungen sind. Die Rede ist etwa von Dyskalkulie, Dyslexie, Legasthenie, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS), Hoch- oder Minderbegabung bzw. Bildungsferne – zuletzt sogar die Trauer über den Tod eines nahen Menschen, die schon als Krankheit gilt, wenn sie länger als 14 Tage währt. Was aber pathologische Ursachen habe, so diese „Schule“, könne man durch therapeutische oder medikamentöse Ansätze wieder heilen oder, um es mit Götz Eisenberg zu sagen: „Das abgesprungene Rad wird einfach wieder an den Wagen montiert“. Im Endresultat werden die gesellschaftlichen Entwicklungen ausgeblendet und quasi negiert; niemand nimmt sich ihrer mehr an.

In diesem Sinne ist diese Veröffentlichung zugleich Ermutigung wie Provokation.

Provokation, weil die Autorinnen und Autoren viele übliche Erklärungsansätze des akademischen Mainstreams, die gesellschaftliche Verhältnisse ausblenden und soziale Problemlagen allzu oft personalisieren und also individualisieren, kritisch hinterfragen und die Thesen wagen, dass es Rechtschreibschwäche, ADHS etc. sowie soziale Differenzen erklärende genetische Unterschiede zwischen Menschengruppen gar nicht gibt, sondern solche Konstrukte vielmehr Ablenkung vom Eigentlichen sind.

Und Ermutigung, weil wir gemeinsam sehr wohl herausfinden können, was ein freudvolleres, lebenswerteres Leben ausmachen kann, das mehr auf Kooperation denn auf Konkurrenz ausgerichtet ist, mehr auf Ermutigung denn auf normierende Erziehung und mehr auf Neugier denn auf Leistungssteigerung.

Info zur Neuerscheinung hier:
jensewernicke.wordpress.com/2015/10/26/bdwi-studienheft/

Versandkostenfreie Bestellung für max. 8 Euronen hier: www.bdwi.de/verlag/bestellen/index.html.

Ergänzende Informationen zum „Befriedungsverbrechen“ mittels „Vermittlungshemnnissen“, dem Interview der NachDenkSeiten mit Manfred Bartl unter dem Titel:
Die Hartz IV-Ideologie

Literaturtipp: Reihe einundzwanzig

Posted in Literatur on 20. Februar 2010 by denknachmainz

Zum Kapitalismus-Kongresses von attac im März 2009 in Berlin erschien der 1. Band der Reihe einundzwanzig der Rosa-Luxemburg-Stiftung, „Krisenkapitalismus. Wohin es geht, wenn es so weitergeht“ von Prof. Dr. Dieter Klein. Das Dokument kann als PDF-Datei heruntergeladen werden und hat lesenswerte (aber wegen einiger Wiederholungen leider etwas langatmige) 280 Seiten:

Krisenkapitalismus. Wohin es geht, wenn es so weitergeht

Die jüngste Finanzkrise markiert einen tiefen Bruch in der Entwicklung des Kapitalismus. Jetzt wird endgültig deutlich: Abwendung einer Klimakatastrophe, Friedensstiftung erdweit, Überwindung von Armut und von extremen sozialen Klüften sowie eine taugliche Regulationsweise zur Bewältigung dieser Probleme sind globale Herausforderungen unserer Zeit. Aber stattdessen erleben wir eine immer engere Verflechtung von Großkrisen. Die globale Finanzkrise fällt zeitlich gerafft mit einem bedrohlichen Klimawandel, dem Irak-Krieg als Spitze imperialer Politik und der Vertiefung von Armut zusammen.

Neu erschienen ist jetzt der 2. Band der Reihe einundzwanzig der Rosa-Luxemburg-Stiftung, „Grüner Kapitalismus. Krise, Klimawandel und kein Ende des Wachstums“ von Stephan Kaufmann und Tadzio Müller. Das Dokument hat 272 Seiten und kann ebenfalls als PDF-Datei heruntergeladen werden:

Grüner Kapitalismus. Krise, Klimawandel und kein Ende des Wachstums

Gegenwärtig scheint nur ein Projekt kapitalistischer Krisenbewältigung langfristig hegemoniefähig zu sein, das die dafür nötigen Ressourcen, Akkumulationsdynamiken und Konsenspotenziale hervorbringen könnte: ein Green New Deal, eine Periode eines grünen Kapitalismus. Es gilt, von links Positionen zu entwickeln, die auf die Widersprüche eines solchen Herrschaftsprojekts verweisen und interventionsfähig sind. Zugleich sollte eine radikale Realpolitik auf eine sozialistische, sozialökologische Transformation ausgerichtet werden. Noch sind wir in einer relativ offenen geschichtlichen Situation. Die Auseinandersetzung über die Wege nach der Krise ist noch nicht entschieden.  Die vorliegende empirische Studie untersucht die materielle Realität bisheriger Politiken ökologischer Modernisierung. Sie zeigt die strategischen Konzepte der unterschiedlichen Kräfte eines grünen Kapitalismus und entwickelt eine Kritik des kapitalistischen Green New Deal. Es werden Perspektiven der Klimagerechtigkeit und der solidarischen Transformation bis hin zu einer möglicherweise notwendigen „Schrumpfungsökonomie“ diskutiert.

Bezugsquellen der Bücher auf den angegebenen Webseiten.